Babys richtig tragen – Zum Elternteil schauend und mit gemeinsamer Blickrichtung

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Es gibt viele Gründe sein Baby zu tragen. Das Tragen ist nicht nur für das Baby selbst angenehm, sondern auch für den Tragenden.

Babys brauchen den Körperkontakt zu ihren Eltern, umso jünger sie sind, desto mehr. Körperkontakt gibt ihnen Geborgenheit und Sicherheit und hilft ihnen in Stresssituationen den Stress zu regulieren. In einer Babytrage oder einem Tragetuch ist das Baby eng an den Körper der Eltern gebunden und kann in dieser sicheren Position neugierig am Leben teilnehmen – aber auch gut entspannen und schlafen.

Dazu unterstützt das Tragen das Baby in seiner Entwicklung, was auch Kindern mit Entwicklungsverzögerungen oder mit einer Behinderung zugute kommen kann.

Die drei Grund-Tragepositionen

Von Geburt an kann man sein Baby tragen. So hat man es eng bei sich und gleichzeitig sind die Hände frei. Anfangs trägt man das Baby vor dem Bauch zum Tragenden gewandt. Mit rund drei Monaten kommen dann die Hüft- und die Rückentrageweise als Möglichkeiten hinzu. Dies hängt jeweils von der körperlichen Entwicklung des Kindes ab, wie zum Beispiel davon, ob es seinen Kopf gut alleine halten kann.

Kleinere Babys bis rund sechs Monate werden ausschließlich zum Tragenden gewandt getragen, denn sie brauchen die Möglichkeit sich bei einem Übermaß an Eindrücken zurückziehen zu können. An belebten Orten ist diese Rückzugsmöglichkeit auch für größere Babys und Kleinkinder wichtig, weshalb sie dort ebenfalls ausschließlich zu den Eltern gewandt transportiert werden sollten. Dies gilt übrigens sowohl wenn man das Baby trägt, als auch für den Kinderwagen.

Die Bauchtrageweise mit gemeinsamer Blickrichtung

Mit zunehmendem Alter interessieren sich Babys immer mehr für ihre Umgebung. An ruhigen oder bekannten Orten, kann es dann für das Baby spannend sein, in die gleiche Richtung wie die Eltern zu schauen.

Babys kann man frühestens ab einem Alter von fünf Monaten vor dem Bauch in gemeinsamer Blickrichtung tragen, wenn sie über ausreichend Körperspannung verfügen. Zu diesem Zeitpunkt bildet sich auch das diagonale Greifen aus und eine nach vorne gerichtete Tragweise ermöglicht es Eltern und Baby einfach nach den selben Gegenständen zu greifen.

Mit dem nach vorne gerichteten Tragen sollte man langsam und in einer gewohnten Umgebung beginnen, da das Baby sich so nicht an den Körper der Eltern zurückziehen kann, wenn ihm die Eindrücke zu viel werden. Am Besten beginnt man die Trageweise vor dem Bauch in gemeinsamer Blickrichtung bei sich zuhause für 5 – 10 Minuten und achtet feinfühlig darauf, wann das Baby wieder umgedreht werden möchte. Dies äußert sich oft nicht dadurch, dass das Baby versucht sich selber wegzudrehen, sondern dadurch dass es durch das Übermaß an Eindrücken ruhiger wird.

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Wenn man zuhause sein Baby schon mehrmals vor dem Bauch in gemeinsamer Blickrichtung getragen hat, ist ein Spaziergang in der Natur ein toller Moment, um in die gleiche Richtung zu schauen. So hat das Baby ein größeres Sichtfeld und man kann sich gegenseitig Dinge zeigen. Für größere Babys kann es auch spannend sein, in dieser Trageposition langsam durchs Museum zu gehen und sich so alles genau anschauen zu können.

Die Basis des gesunden Tragens: Die Anhock-Spreizhaltung

Beim Kauf einer Tragevorrichtung sollte man darauf achten, dass diese für die Eltern, aber besonders für das Baby ergonomisch ist. Je kleiner das Baby ist, umso geringer ausgebildet ist seine Muskelspannung und desto wichtiger ist es, dass es in der Tragevorrichtung gut gestützt wird.

Die Basis des gesunden Tragens ist der richtige Sitz des Babys. Dafür ist das Becken des Babys nach vorne gekippt und die Beine befinden sich in der sogenannten „Anhock-Spreizhaltung“. Die Anhock-Spreizhaltung nehmen Babys automatisch ein, wenn man sie hochhebt. Dabei sind die Knie bis auf Bauchnabelhöhe angezogen und die Oberschenkel leicht gespreizt. Wird das Baby in ein Hohlkreuz gedrückt, kann es die Anhock-Spreizhaltung nicht mehr einnehmen. Die Anhock-Spreizhaltung ist nicht nur für einen bequemen, stabilen Sitz wichtig, sondern unter anderem auch für eine gesunde Entwicklung der Hüfte.

Die Tragevorrichtung an den Körper des Babys anpassen

Damit das Baby seinen Sitz aus dem Becken heraus richtig aufbauen kann, muss das Material des Tragetuchs oder der Babytrage bis in die Kniekehlen des Babys reichen. Beim Tragetuch kommt es dabei auf die richtige Wickeltechnik an, die man sich unbedingt von einer ausgebildeten Person zeigen lassen sollte. Eine Babytrage muss einen breiten Steg haben, der auch bei einem größeren Baby bis in die Kniekehlen geht und so eine Anhock-Spreizhaltung ermöglicht. Um ein Überspreizen zu vermeiden, sollte der Steg aber auch nicht breiter als bis in die Kniekehlen reichen. Bei Babytragen, bei denen die Stegbreite nicht variabel ist, kann man den Steg einfach mit einem Schnürsenkel abbinden.

Wichtig ist auch, dass die Tragevorrichtung das Baby nicht in eine bestimmte Position drückt, sie aber gleichzeitig ausreichend Halt gibt, dass das Baby sich daran und an den Tragenden anlehnen und sein Gewicht abgeben kann. Ein Tragetuch sollte dafür eng gebunden sein. Da der Stoff des Tuches durch seine Webart fest und dehnbar zugleich ist, ermöglicht es dem Baby eine gute Sitzposition einzunehmen.

Eine Babytrage sollte am Rücken des Babys auf keinen Fall zu starr sein, sondern ebenfalls leicht nachgeben oder eine Beutelform haben. Dadurch wird vermieden dass das Baby in eine Position gedrückt wird, die für es unnatürlich oder unangenehm wäre und es so in eine Kompensationshaltung verfällt.

Richtiges Tragen vor dem Bauch mit gemeinsamer Blickrichtung

Möchte man sein Baby gelegentlich auch in gemeinsamer Blickrichtung tragen, benötigt man dafür eine Babytrage. Beim Kauf der Trage sollte man unbedingt darauf achten, dass diese auch in dieser nach vorne gerichteten Position dem Baby die Anhock-Spreizhaltung ermöglicht.

Die 360 Trage von Ergobaby hat dafür einen besonders strukturierten Schalensitz, in dem das Baby wenn es nach vorne getragen wird – wie als säße es in zwei großen Händen – ebenfalls die Anhock-Spreizhaltung einnehmen und sich mit seinem Körper gut an den Tragenden anlehnen kann. Nachdem man das Baby in die Trage gesetzt hat, und auch regelmäßig während des Tragens, sollte man kontrollieren, dass das Becken des Babys gekippt und die Beine gut „angehockt“ sind. Dies gilt nicht nur für das Tragen vor dem Bauch in gemeinsamer Blickrichtung, sondern für alle Tragepositionen und sowohl für das Tragen in einer Babytrage, als auch für das Tragen mit einem Tragetuch.

Der Artikel entstand nach einem Gespräch mit Ulrike Höwer, Gründerin und Leiterin der Die Trageschule.

 

2 Gedanken zu „Babys richtig tragen – Zum Elternteil schauend und mit gemeinsamer Blickrichtung“

  1. Meiner Meinung nach, gibt es nicht besseres, als sein Kind zu tragen.
    Die Bindung die dabei entsteht ist nicht zu vergleichen. Natürlich sollte auf die richtige Haltung geachtet werden, damit beispielsweise Rückenschmerzen nicht entstehen können.
    Ich persönliche würde aber sogar Rückenschmerzen akzeptieren, wenn es meinem Kind dadurch besser geht bzw. bei der Entwicklung hilft.

    1. Lieber Kevin,
      wenn die Trage oder das Tuch richtig sitzen, muss man gar keine Rückenschmerzen in Kauf nehmen! Mit Schmerzen hat man nicht so große Freude am Tragen und das merkt das Kind auch – zum Beispiel daran, dass man es dann weniger trägt oder an der schlechten Laune, die durch die Rückenschmerzen entstehen kann. Lass dir also auf jeden Fall zeigen, wie du die Trage richtig einstellst oder das Tuch richtig bindest, damit das Tragen auch für dich angenehm ist!
      Viele Grüße
      Claudia

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