Die Impfentscheidung – Wann gegen welche Krankheiten impfen?

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Für viele Eltern ist wahrscheinlich eine der ersten wichtigen Entscheidungen über die Gesundheit ihres Kindes, wann das Kind gegen was geimpft werden soll.

Folgt man den allgemeinen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), dann steht die erste Impfung an, wenn das Baby sechs Wochen alt ist.

Zu dieser Zeit sind die Eltern wahrscheinlich noch damit beschäftigt, mit ihrem Baby einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Neben Schlafen, Wickeln und Stillen bleibt kaum Zeit für anderes und kurze ruhige Momente werden lieber zum Erholen oder zum Erledigen wichtiger Dinge genutzt.

Deswegen macht es Sinn sich schon vor der Geburt zu informieren und gemeinsam mit dem Kinderarzt eine Entscheidung zu treffen.

Impfen hat eine persönliche und eine soziale Dimension

Die STIKO gibt regelmäßig aktualisierte Empfehlungen über Schutzimpfungen und den Zeitpunkt der Impfung ab. Neben einem persönlichen Schutz, steht dabei der Schutz der Allgemeinheit im Fokus. Eine Entscheidung über das Impfen beinhaltet also neben der persönlichen Dimension auch immer eine soziale Komponente. Wenn ein großer Teil der Bevölkerung gegen Krankheiten immun ist, entsteht eine sogenannte „Herdenimmunität“, durch die auch Menschen geschützt werden, die selber nicht immun sind.

Doch durch das Impfen gemäß den allgemeinen Empfehlungen der STIKO erwirbt man keinen absoluten Schutz gegen die jeweiligen Krankheiten. Es besteht immer auch eine Wahrscheinlichkeit die Krankheit doch zu bekommen – auch wenn diese durch eine Impfung sehr verringert wird.

Andersherum ist das Impfen bei vielen Krankheiten nicht die einzige Möglichkeit eine Immunität zu erlangen. So ist man beispielsweise nach einer Masernerkrankung lebenslang immun dagegen und gibt diese Antikörper als Mutter auch an sein Baby weiter, sodass dieses bereits ab Geburt gegen eine Krankheit geschützt ist.

Impfen als eine Möglichkeit des Schutzes vor Krankheiten

Es ist schwierig den individuell richtigen Zeitpunkt für das Impfen zu planen. Möchte man gegen eine bestimmte Krankheit eine Immunität durch eine Impfung erlangen, geht es darum, die Immunisierung abgeschlossen zu haben, wenn der Kontakt mit dieser zu verhütenden Krankheit wahrscheinlich ist.

Aber auch die Wechselwirkungen der durch Impfung erworbenen Antikörper mit denjenigen, die das Baby durch die Mutter erhalten hat spielen eine Rolle. Denn Mütter, die selber gegen eine Krankheit immun sind, geben in vielen Fällen ihre eigenen Antikörper über die Plazenta und dann die Muttermilch an ihr Baby weiter. Ist die Mutter gegen eine Krankheit immun, weil sie selber Kontakt damit hatte, hält dieser sogenannte „Nestschutz“ länger an. Dies liegt daran, dass Menschen in der Regel mehr Antikörper gegen eine Krankheit besitzen, wenn sie diese durch den Kontakt mit der Krankheit erworben haben, als wenn sie diese durch eine Impfung erlangt haben.

Darüber hinaus sollte auch das sich gerade entwickelnde kindliche Immunsystem bedacht werden. Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass viele Impfungen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu einer Immunität führen, wenn man sie erst verabreicht, wenn das kindliche Immunsystem zu einem stärkeren Teil ausgebildet ist, als es bei den gängigen Zeitpunkten für eine Erstimpfung der Fall ist. Es kann also sein, dass das Kind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit durch die Impfung gegen eine Krankheit immun wird, wenn man ihm die Impfung erst dann verabreicht, wenn sein Immunsystem zu einem gewissen Maß ausgebildet ist.

Eine individuelle Impfaufklärung

All diese Erwägungen, aber auch eine Information über die jeweilige Krankheit, deren Verlauf, mögliche Komplikationen und Behandlungsmöglichkeiten sollten in die Impfentscheidung mit einfließen. In der Impfaufklärung ist der Arzt dazu verpflichtet darüber aufzuklären, wie auch über den Verlauf einer Impfung und die möglichen Arzneimittelnebenwirkungen und Impfkomplikationen.

Wer sich sicher sein möchte, dass sich sein Kinderarzt ausreichend Zeit für eine Impfaufklärung nimmt, der kann über den Verein Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung einen Kinderarzt in der Nähe suchen. Oft kann man schon vor der Geburt ein erstes Gespräch führen und hat somit auch die in Großstädten oft schwierige Suche nach einem Kinderarzt erledigt, bevor das Baby geboren ist und mit wenigen Wochen schon die erste Vorsorgeuntersuchung ansteht.

Möchte man bereits mit einer gewissen Vorkenntnis in das Gespräch gehen, gibt es zahlreiche Bücher zum Thema Impfen. Dadurch erlangt man nicht nur ein Grundverständnis davon,t wie das Impfen gegen welche Krankheiten funktioniert, sondern kann so auch erste Fragen an den Kinderarzt notieren, die einem sonst möglicherweise erst nach dem Aufklärungsgespräch einfallen würden.

Literatur zum Thema „Impfen“

impfenproundcontraDer Klassiker unter der Impfliteratur ist wahrscheinlich „Impfen Pro & Contra: Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung“ von Dr. Martin Hirte, das 2012 im Knaur Verlag aktualisiert bereits in der 17. Auflage erschienen ist. Darin werden ausführlich die jeweiligen Krankheiten und die Impfungen dagegen beschrieben. Zudem wird auch der aktuelle Stand der Forschung zum Impfen allgemein, sowie die Impfempfehlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschrieben und miteinander verglichen. Das Buch bietet einem eine wichtige Grundlage, um bewusst und aufgeklärt eine individuelle Impfentscheidung für sein Kind treffen zu können.

massvollimpfenDas 2016 im Kösel-Verlag erschienene Buch „Maßvoll impfen: Risiken abwägen und individuell entscheiden – Eine Orientierungshilfe für Eltern“ von Dr. Stephan Heinrich Nolte geht ebenfalls auf Krankheiten und dazugehörige Impfungen, sowie die aktuellen Empfehlungen und das Prinzip des Impfens ein. Zudem gibt der Autor einem zumindest tendenziell einen Vorschlag, wie man sein Kind impfen könnte, wenn man eine individuelle Impfentscheidung anstrebt. Dabei ist er ganz klar für flächendeckende Impfungen gegen gewisse Krankheiten, stellt bei anderen Krankheiten jedoch das pauschale Impfen in Frage.

 

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