Feuchttücher selbstgemacht

feuchttuecher_019©newkitzontheblog

Wenn man davon ausgeht, dass ein Baby um die acht Windeln in 24 Stunden braucht und mit guten zwei Jahren keine mehr braucht (wie windelfrei light geht, hat Claudia hier beschrieben), dann haben Eltern über 6.000 mal Windeln gewechselt und diese in den Müll geworfen, wenn denn nicht Stoffwindeln benutzt werden. Und mindestens ebensoviele, wenn nicht eher doppelt so viele Reinigungstücher wandern dabei mit in die Tonne.
Wer sich vielleicht (noch) nicht an Stoffwindeln herangewagt hat, kann zumindest die Feuchttücher ganz leicht ersetzen und dabei eine Menge für die Umwelt und die zarte Haut des Baby’s tun. Neben dem Müllaufkommen darf man nämlich nicht vergessen, dass auch die mit zahlreichen Varianten von sensitiv beschriebenen Feuchttüchern nicht ohne Mittel auskommen, die dafür sorgen, dass die Tücher in der Verpackung nicht austrocknen oder verschimmeln. Das hat auch der aktuelle Ökotest wieder gezeigt.

Zunächst zur Herstellung der Tücher. Nach einigem Testen kann ich sagen, dass sich alte unbedruckte T-Shirts (oder andere Jerseys) und Flanellbettwäsche am besten eignen. Frotteehandtücher werden durch das viele Waschen schnell zu hart für die weiche Babyhaut. Ein Herrentshirt oder ein Kopfkissenbezug reichen vollkommen aus, wenn man einmal in der Woche wäscht. Ich habe mir unterschiedlich große Lappen zurechtgeschnitten, ich benutze lieber zwei kleine als einen großen.

Es ist vollkommen ausreichend, den Babypopo lediglich mit Wasser zu säubern. Dafür stellt man am Wickeltisch einfach eine Schale mit Wasser bereit. Wenn dem Baby das Wasser bei Zimmertemperatur zu kalt ist, kann man mit Hilfe einer Thermoskanne das Wasser erwärmen. Noch sanfter zur Haut ist Wasser mit etwas Öl gemischt. Hier ein Rezept, mit dem man sich Feuchttücher für ca. 2-3 Tage herstellen kann, die man dann auch unterwegs verwenden kann.

In einem Topf ca. 200 ml abgekochtes Wasser (darin löst sich das Öl besser auf) mit 1,5 Teelöffel Oliven- oder Kokosöl und 5 Tropfen Lavendelöl mischen. All diesen Ölen wird eine antibakterielle Wirkung attestiert, Lavendel sogar eine antmykotische (gegen Pilze), allerdings sollte man die Wirksamkeit nicht mit der von Sagrotan verwechseln. Gut für die Haut sind diese Öle alle, mit dem Lavendelöl sollte man sehr sparsam umgehen, weil ätherische Öle aufgrund ihrer Konzentration auch reizen können. So viele Lappen dazugeben, dass das Wasser vollkommen aufgesogen ist und nichts mehr tropft.

Ich bewahre die Feuchttücher in dem schönen Wetbag von Mon Petit Bleu auf. Davon habe ich auch immer einen dabei, um die gebrauchten Tücher von unterwegs nach Hause zu transportieren. Zuhause sammle ich die Tücher in dem von der Oma geerbten Emaillenachttopf. Nach zwei Tagen kommen die Tücher entweder in die Wäsche oder werden auf dem Balkon zwischengelagert, bis genug Wäsche zusammengekommen ist. Länger als fünf Tage sollte man die benutzten Tücher nicht stehen lassen, da sonst die Bakterien anfangen zu arbeiten, es entstehen Stockflecken und es fängt an zu müffeln.

Zum Waschen packt man die Tücher in ein Wäschenetz, sonst landen die Lappen in der Gummiabdichtung. 60 Grad im Koch- und Buntwäscheprogramm reichen aus, 90 Grad sind nicht nötig. Man kann sogar bei 40 Grad waschen, denn sauber wird die Wäsche, Keime jedoch nur ausgespült und nicht abgetötet, was aber nur bei Erkrankungen nötig ist. (Diese Empfehlung stammt vom Bundesinstitut für Risikobewertung.) Gerade bei Neugeborenen sollte man aber darauf achten, dass sie nicht mehr Keimen als nötig ausgesetzt werden, deshalb ist 60 Grad generell eine gute Entscheidung. Vollwaschmittel wie dem Sensitivwaschmittel von Sonett mischt man neben Wasserenthärter am besten Sauerstoffbleiche bei, dann gehen auch die Flecken raus. Da hier auf petrochemische Bleichaktivatoren verzichtet wird, muss man bei mindestens 50 Grad waschen, sonst wird das Bleichmittel nicht aktiviert. Die Feuchttücher können dabei mit der restlichen Haushaltswäsche wie Handtüchern gewaschen werden. Die Mehrfachverwendung eines Waschlappens ist nicht zu empfehlen, da eben Keime und Pilze entstehen können.

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Wenn man die Läppchen dann noch wie Claudia an mich und ich an die nächste schwangere Freundin weitergibt, hat man nicht nur die Lebenszeit eines Tshirts oder Kopfkissenbezuges um ein vielfaches verlängert, sondern auch auch mindestens 12.000 Feuchttücher gespart oder eben 24.000 oder 36.000 oder …

Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Sonett und Mon Petit Bleu.

Die Bilder stammen von Sophia Lukasch Photographie.

2 Gedanken zu „Feuchttücher selbstgemacht“

  1. Hallo,

    ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen. Dieses Thema ist bei uns wirklich gerade sehr aktuell. Gerade was den Müll angeht.

    Jetzt habe ich diesen Artikel hier gelesen und bin total begeistert. Wir haben einen Enkel, der ist 12 Monate alt. Ich werde dieses hier meiner Tochter mal als link schicken.

    Vielen Dank für diesen Blog. Macht weiter so !!!

    LG Stephan

    1. Lieber Stephan, vielen Dank für deinen schönen Kommentar. Es kommen sehr bald noch weitere Artikel zum Thema Müllvermeidung mit Baby und Familie. Liebe Grüße, Katharina

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